„Information ist die Währung der Demokratie.“ sagte Thomas Jefferson.* Wenn es danach geht, haben wir ein Inflationsproblem. Ich erfahre so viel, ich werde das Gefühl nicht los, dass ich eigentlich gar nichts mehr lerne und noch weniger weiß. Nicht nur in meinem Kopf herrscht Informationsüberflutung.
Beitragsbild "Informationsüberflutung", viele Fragezeichen

Wie viele Serien und Dokus kann man eigentlich ansehen, wie viele Blogs, Bücher und Newsletter kann man lesen, wie vielen Info-Kanälen in Social Media kann man folgen, bevor man einfach übersättigt ist? Ja.

Nachdem ich vor etwa einem Monat darüber philosophiert habe, wann man eigentlich genug von einem Tag hatte, habe ich neulich darüber nachgedacht, was ich eigentlich alles mache und doch nicht mache. Wer mich kennt würde mich vermutlich (hoffentlich) als interessierten, neugierigen, ja, wissbegierigen Menschen beschreiben. Ich informiere mich auf vielfältige Weise und aus diversen verschiedenen Quellen über alle möglichen unterschiedlichen Dinge. Bevor ich von etwas wirklich überzeugt bin, muss ich mehr wissen, als nur oberflächliche Basis-Informationen. Und genau hier liegt das Problem.

Man kann sich im Internet (und auch in analogen Medien) wirklich über alles sehr schnell informieren. Insbesondere passive Information funktioniert sehr einfach: Überall erfährt man Dinge, auch wenn man sie vielleicht gar nicht wissen will. Wenn ein Beitrag interessant ist, folgt man vielleicht dem dahinterstehenden Kanal. Ist ein Teaser spannend, liest man vielleicht den dazugehörigen Text. Und wenn der Zusammenschnitt stimmt, schaut man vielleicht auch die Dokumentation vollständig an. So geht es mir jedenfalls häufig.

Social Media: Immer weniger Privates, immer mehr Information

In (relativ) regelmäßigen Abständen sehe ich mir an, welche Profile ich in Social Media abonniert habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich in den letzten Monaten das Verhältnis von privaten zu Informations-Kanälen deutlich verschoben hat. Auf Instagram folge ich inzwischen einigen Kanälen mit sehr verschiedenen Themen: Persönlicher Erfolg und mentale Gesundheit, philosophische Sprüche und Lyrik, aber auch politische Informationen und einem Profil, das grundsätzlich nur gute Neuigkeiten teilt.

Auf anderen Plattformen ähnelt sich das Bild. Auf Twitter folge ich zunehmenden Accounts, die Nachrichten verbreiten, eine bestimmte Sichtweise auf Ereignisse liefern und sich mit ausgewählten Themen beschäftigen, die von (Partei-)Politik über die Auseinandersetzung mit Medien bis hin zu Fußball reichen. Was mir auch auffällt: Die Information via LinkedIn nimmt zu, insbesondere im Berufsumfeld: Was macht erfolgreiche Unternehmer:innen aus? Was funktioniert bei Menschen in meinem Umfeld, womit haben sie welche beruflichen Erfolge? Wie bewegen sich die Branchen, die mich interessieren?

Newsletter, Blogs, Podcasts

Wenn man das so liest, könnte man den Eindruck gewinnen, ich erhalte meine Informationen ausschließlich über Social Media. Dachte ich ehrlich gesagt auch. Ganz kurz. Denn einerseits sind diese Plattformen ja auch nur Lieferanten, aber nur äußerst selten die Quelle der Information. Andererseits fiel mir dann auf, was es da noch alles gibt. Zugegeben, ich weiß nicht, wann ich zuletzt eine gedruckte (Tages-)Zeitung oder ein Print-Magazin in der Hand hatte oder geschweige denn darin gelesen habe. Aber es ist 2021. Information ist etwas, das man mehr als irgendwo sonst vor allem online findet.

Ich habe verschiedene Newsletter abonniert, über mentale Gesundheit, Entwicklung und Hintergründe von Medien, Suchmaschinenoptimierung oder so genanntes Personal Branding. Sogar ich habe inzwischen das Hören von Podcasts für mich entdeckt. Sehr unregelmäßig, dafür mit einem sehr breiten Themenspektrum. Ich wechsle munter zwischen Fußball, Finanzen, Harry Potter und Tipps für Websites und Suchmaschinen hin und her. Und dann gibt es da ja noch Blogs. Diese eine Sache, die mich zur Online-Redaktion gebracht hat. Ich lese Blogs in erster Linie zum Vergnügen, Information sammle ich eher nebenbei. Über Medien, Sport, Gesundheit und Ernährung, einfach über das, was Menschen bewegt.

Darf es noch etwas mehr sein?

Netflix ist nicht nur das größte Entertainment- sondern vielleicht auch das größte Informations-Portal das ich derzeit nutze. Ja, ich schaue viele fiktionale Serien und Filme, aber nutze Netflix zunehmend auch zur Information. Ob in Sendungen oder Shows, die unterhalten sollen, aber gleichzeitig auch Informationen und Wissen vermitteln (so genanntes Doku- oder Infotainment) oder in Dokumentations- oder Informations-Serien und -Filmen. Allein aus den Dingen, die ich in den letzten Wochen angesehen habe, könnte ich eine Informations-Hitliste machen: „Movies that made us“, „Explained“, „100 Humans“, „Glow Up“, „Die außergewöhnlichsten Häuser der Welt“, „Cowspiracy“, „Seaspiracy“, „My Octopus Teacher“, diverse Dokus über Tiere und Natur und Schlaf- und Meditationsanleitungen von „Headspace“, …

Und damit liste ich nur mal auf, was mir spontan einfällt. Wer den einen oder anderen Titel davon kennt, weiß, dass das beileibe nicht unbedingt Wissenschafts-Sendungen und klassische Dokus sind. Und diese Vielfalt ist ja kein Wunder. So viele Dinge, an denen ich ein grundsätzliches Interesse habe, die ich ausprobiere und auf deren Basis mir dann wiederum neue, von Algorithmen ermittelte, „passende“ Vorschläge eingeblendet werden, die natürlich nicht weniger divers sind. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag. Und das ist Netflix. Die ganzen NatGeo-Dokus von Disney+ sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Wir konsumieren Information, aber was wissen wir wirklich?

Was fange ich an mit dieser ganzen Information? Oder anders gefragt: Kann ich mich auch zu viel informieren? Auch wenn ich sämtlich nur annähernd privaten Dinge völlig außer Acht lasse, zeigt sich eine nicht enden wollende (und auch wirklich unendliche) Reitüberflutung durch Information. Denn die Wahrheit ist: Natürlich informiere ich mich über viele Dinge. Und es ist toll und hilfreich, dass mich so viele verschiedene Dinge interessieren. So kann ich in ganz unterschiedlichen Bereichen meinen Horizont erweitern und mir ein breites Allgemeinwissen aneignen. Und ja, es ist auch einiges an so genanntem unnützen Wissen dabei, auf das ich durchaus stolz bin. Die Kehrseite ist, wie ich eingangs erwähnt habe, dass viele dieser Informationen nur an der Oberfläche kratzen, nicht in die Tiefe gehen. Das reicht mir nicht mehr.

Ich kann noch so viel lernen, noch so viele Informationen anhäufen und auf noch so vielen Baustellen an der Oberfläche kratzen: Was bringt mir das? Abgesehen davon, dass ich von sehr vielen Dingen ein bisschen weiß, aber von sehr wenigen sehr viel. Wenn ich die Stories in Instagram und die Tweets vieler Menschen in meinem weiteren Umfeld ansehe, entdecke ich viele Ähnlichkeiten. Es kommt eine Menge zusammen. Wir sind übersättigt mit Informationen zu Dingen, nach denen wir gar nicht gefragt haben und die uns vielleicht nur interessieren, weil wir sie vorgesetzt bekommen (auch hierzu kann ich eine Doku empfehlen). Dazu kommen dann Informationen, nach denen wir gezielt suchen und solche, die uns eigentlich nicht interessieren, die wir aber trotzdem einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen. (Hummeln heißen auf Plattdeutsch Plüschmors.**) Das ist jetzt alles nicht schlimm und jede:r kann für sich selbst entscheiden, wie es an dieser Stelle weitergeht.

Wissen ist Macht. Information auch?

Ich habe über Prioritäten geschrieben, Listen erstellt und gelernt, einfach mal zu machen. Das muss doch auch für irgendwas gut sein. Wenn diese ganze Informationsflut mir schon jetzt eines gebracht hat, dann die Erkenntnis, wie viel ich konsumiere und wie wenig davon ich wirklich nutze. (Und ja, auch zu diesem Thema passt wieder mindestens eine Doku, die ich gesehen habe.) Das hat zumindest meinen Ehrgeiz geweckt, es besser zu können, aber auch meine Motivation, es anders zu machen. Für mich persönlich heißt das: Dass ich etwas weiß allein reicht nicht. Ich möchte dieses Wissen nutzen. Dazu muss ich es, an vielen Stellen, ganz sicher noch vertiefen. Das bedeutet auch, ich muss mich entscheiden, in welche Bereiche ich tiefer vordringen will und welche ich weiterhin höchstens oberflächlich betrachte. Niemand kann alles auf einmal, auch ich nicht.

Aber ich liebe es nun mal, zu teilen. Seit fast 10 Jahren teile ich Erfahrungen, Gefühle, Gedanken, Erinnerungen, Meinungen und eine ganze Menge mehr mit allen, die es hier lesen. Manchmal mehr und manchmal weniger persönlich. Würde ich alles wieder genauso machen? Sehe ich immer noch alles aus der gleichen Perspektive? Wahrscheinlich nicht. Manchmal ergeben sich aus Informationen auch mehr Fragen als Antworten. Und es gibt Hindernisse. Ein Beispiel? Trotz aller Informationen zu mentaler Gesundheit stoße ich immer wieder an die Grenzen dessen, was ich wirklich gut umsetzen kann. Nehme ich mir genug Pausen, achte auf bestimmte Verhaltensweisen, reagiere angemessen? Das hat mich alles in all der Zeit nicht davon abgehalten, es hier zu teilen.

Wo fange ich an?

Und nicht alle Informationen, die ich sammle, kann ich allein auch in Taten umwandeln. Klar, ich kann aufhören Fleisch und Fisch zu essen, weil ich weiß, wo beides herkommt und welche Folgen das hat. Noch banaler: Das Wissen über Vorgänge im Fußball hilft mir in Tippspielen (bei der EM habe ich in einer Runde immerhin Platz 3 belegt und einen Preis gewonnen). Keine Sorge, ich werde nicht anfangen, Prognosen für den jeweils nächsten Bundesliga-Spieltag zu schreiben. (Zumindest nicht hier. Wäre aber vielleicht mal eine Idee für eine neues Blogproj… Da! Da ist es schon wieder! Ich werde so sehr mit Information zugeschüttet, dass ich dazu tendiere selbst mitzumachen.)

Tipps sind aber ja vielleicht ein guter Anfang. Erstens mache ich sowas sowieso gerne. (Der Punkt „Tipps“ in der Navigation oben ist weder ein Versehen noch Zufall.) Zweitens bin ich sowieso nicht aufzuhalten, wenn ich einmal anfange, mich mit einem Thema zu beschäftigen. (Eigentlich wollte ich nur mal ein paar Sätze dazu schreiben, dass ich echt informationsüberflutet bin.) Wo gibt es Informationen worüber? Was gefällt mir daran, was eher nicht so? Und vor allem: Was nehme ich für mich mit? Das hier ist schließlich noch immer meine persönliche Geschichte und kein Info-Blog…

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Beitragsbild: Arek Socha/pixabay.de / Manuel Fuß

*Quelle: Berühmte Zitate
** Quelle: NDR, Wörterbuch Plattdeutsch lt. funk/Instagram