Myzelchroniken: Die Entstehung der Chroniken

4–7 Minuten

Schon seit einer ganzen Weile waren mir die „Myzelchroniken“ ein Begriff und nachdem Gipfelbasilisk so lieb war, mir die Sonderauflage zukommen zu lassen, komme ich endlich in den Genuss, den ersten Band „Die Entstehung der Chroniken“ zu lesen. Das Buch wird in seiner Community und der Book-Bubble, in die ich in letzter Zeit ein wenig Einblick bekommen konnte, gefeiert und spätestens beim Lesen wird mir klar, warum!
Zu wissen und zu sehen, wie viele talentierte Menschen, die ich inzwischen ein wenig kennenlernen durfte, an diesem Buch auf unterschiedliche Weise mitgewirkt haben, (viele Grüße an kommafalter, ohne die ich das Buch vermutlich nicht entdeckt und schon gar nicht gelesen hätte), macht das Leseerlebnis umso besonderer. Ich fliege geradezu durch die Seiten und die Welt Zyamel, die auf ihnen beschrieben steht. Wie ich das so erlebt habe, hab ich mal aufgeschrieben…

Optik

Wie detailgetreu, liebevoll, ja, leidenschaftlich kann ein Buch optisch gestaltet sein? Hier macht sich meiner Meinung nach am offensichtlichsten (positiv) bemerkbar, dass die Myzelchroniken selbstpubliziert sind. Das Cover schreit: “epochales Fantasy-Werk” und Elemente daraus tauchen auch im Text zur Kennzeichnung neuer Kapitel und Absätze wieder auf, was die Immersion fördert. Gleiches gilt für die Weltkarten – selbst deren Legende fügt sich graphisch passend ein. Die Liebe zu Pilzen und das Bedürfnis, das eigene Werk stimmig zu gestalten, ist auf jeder Seite spürbar.

Worldbuilding

In mancher Hinsicht ist Zyamel eine Fantasy-Welt wie viele andere: Die hilfreichen und liebevollen Illustrationen und Karten zeigen große Gebirge, endlose Landstriche, Städte und Stätten, umringt von Wasser. Vieles ist ganz anders, als ich es aus Fantasy-Welten kenne: Zyamel ist selbstverständlich vielfältig, mit queeren Wesen, diversen Sichtweisen und einer progressiven Sicht auf Fantasy, die ich so noch nicht kannte.

Bekannte Wesen wie Elfen, Zwerge, Riesen treffen auf Sporlinge, Fluchlinge, Nord (und mehr). Sehr bildhafte Sprache macht viele bisher völlig unbekannte Dinge leicht vorstellbar. Manches Wissen, das in Zyamel allgemein verbreitet ist, wird nach und nach einge-streut; anderes, das für die Welt wichtig ist, entdecken wir im Laufe der Handlung gemeinsam mit den Charakteren.

Charakterbuilding

Pilze als Hauptfiguren einer Fantasy-Geschichte! Was mir im ersten Moment seltsam erschien, machte mich im zweiten neugierig und stellt sich als geniale Idee heraus. Die Pilzwesen der Welt Zyamel unterscheiden sich nicht nur in vielerlei Hinsicht von Menschen, sie sind auch untereinander sehr unterschiedlich. Überhaupt bilden die handelnden Figuren eine enorme Bandbreite an Identitäten, Einstellungen und Merkmalen ab. Im wahrsten Sinne: Vielfalt, wie sie im Buche steht!

Der Einstieg in die Funktionsweise von Pilzwesen, ihrem Netzwerk und ihren Fähigkeiten wird schon spielerisch aus der Sicht des Protagonisten Zomis erklärt und nach und nach erfahren wir immer mehr darüber – und warum sie so wichtig für die Existenz und den Fortbestand ihrer Welt sind. Wir erleben die Gesichte ständig wechselnd aus der Sicht der handelnden Figuren, was zunächst gewöhnungs-bedürftig ist. Doch durch deutlich erkennbare (weil markierte) Absätze ist das Prinzip schnell klar und bleibt sich treu. So erfahren wir allmählich immer mehr über die Eigenarten der Figuren, ihre persönliche Geschichte und die der Völker der Welt Zyamel. Immer wieder eingestreute, uns bekannte, aber abgewandelte Details und Redewendungen (Löcher in den Stielen für Münder und Augen, “Tränen in den Löchern”) sind nicht nur liebevoll und konsistent, sondern helfen bei der Charakterbindung.

Storybuilding

Wie Gipfelbasilisk selbst schreibt, kommt die Geschichte zunächst märchenhaft daher, der Einstieg ist fast kindlich, was insbesondere an der unerfahrenen, teilweise naiven Sicht von Zomis auf die Welt liegt. Das hilft enorm dabei, viele zunächst auch geübten Fantasy-Fans unbekannte Elemente und Wesen kennenzulernen. Wie die Sicht von Zomis verändern sich auch Erzählgeschwindigkeit und Tenor der Geschichte, die – wie die meisten originalen Märchen – plötzlich dunkel und dramatisch wird – und episch!

Fazit

„Die Entstehung der Chroniken“ ist in ein modernes Fantasy-Märchen, das mir die Augen dafür öffnet, was in diesen möglich ist: Alles! Der Erzählstil erscheint zunächst untypisch für High-Fantasy, dann werden Erinnerungen an “Der Hobbit” wach. Mit der bildlichen, ja, freundlichen Art, seine Geschichte zu erzählen, was sogar die Dialoge einschließt, nimmt Gipfelbasilisk mich an die Hand und führt durch seine Welt. Schon im ersten Teil lerne ich unglaublich viel und erkenne zugleich, dass das eben wirklich erst der Anfang dessen ist, was diese Trilogie noch bereithält.

Meine Lieblings-Inhalte gibt es unter dem Bild (ACHTUNG, SPOILER-ALARM!)

Buch "Myzelchroniken - Die Entstehung der Chroniken" steht auf grauem, weichem Untergrund, ein Lesezeichen mit der Zeichnung eines humanoiden Pilzwesens ist daran angelehnt.
ACHTUNG, SPOILER AB HIER (klicken zum Anzeigen)

Lieblings-

Zitate:

„LGBTQIA+, geschlechtsneutrale Pronomen und Liebe im Spektrum. Stößt euch eines dieser Themen ab, legt das Buch bitte gleich weg.”

„Eine Nacht konnte den Unterschied eines ganzen Jahres machen.”

„Trauert nicht um mich. Ich vergehe nicht, ich wachse nur.“

Orte:

Immermeer,
schon allein, weil es so ziemlich den schönsten und besten Namen hat, den ein Meer haben kann

Yoanoh,
weil es mehr als nur ein Ort und mehr als nur ein Wesen ist, das durch schwere Zeiten geht, zu verfallen droht und sich dadurch öffnet und in neuem Glanz erststrahlt

Yggdrasil,
das Zentrum eines Reiches, das allen in ihr lebenden Wesen Frieden, Freiheit und Chancengleichheit ermöglichen will

Odems Hütte,
die mit den vielen Tränken und Zutaten des Medizinmanns, der Feuerstelle und dem Kesselkäfer eine magische, mystische Art von Gemütlichkeit ausstrahlt

Kaltfall,
die Stadt und der gleichnamige Wasserfall, die so viel anziehende Kälte ausstrahlen und dahinter so viel Wärme zu entdecken bieten

Ereignisse:

Das Entwachsen und die Entwachsungszeremonie
Die erste Begegnung mit der Karawane und von Salrius und Kairon
Die Versammlung unter Yggdrasil
Die Elfen-Hochzeit

Charaktere:

Salrius,
der Ausgestoßene, der nicht verlernt hat, Gutes in anderen zu sehen und neu lernt, Gutes für sich selbst anzunehmen und in dem ich so viel von mir selbst entdecke

Kairon,
der mich vom ersten Moment an in seinen Bann zieht, wie er es auch bei Salrius schafft – vermutlich, weil er der gute Partner ist, der er ist

Kara,
die Freundin, die Art, Tiefe und Weite der Freundschaft nicht definieren muss, um sie so zu nehmen und zu schätzen, wie sie ist

Morganth,
der ambivalente Anthagonist, dessen Geschichte, Charakter und Entwicklung ich so faszinierend finde, dass sie eine eigene Buchreihe verdient hätten

An’grius,
der Legendensammler, der den Geschichtenerzähler und Abenteuersucher in mir weckt

Besonderheiten:

Die typischen Mahlzeiten – davon hätte ich gern ein Kochbuch!
Die Content-Notes, die eine Vorwarnung auf alle Themen geben, die schwierig werden könnten, ohne unnötig zu spoilern – solllte jedes Buch so haben

Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar

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